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Fischreiher flattert über geistreichen Fluss
Donnerstag, 8. Juni 2006

Wilm Weppelmanns „Freie Gartenakademie“ mit Philosophie eröffnet

Von Markus Küper

Münster. Seit Adam und Eva vom verbotenen Baume naschten, ist das Paradies verloren: Paradise lost! Das ganze Paradies? Nein. Kleingärtner wie Wilm Weppelmann behaupten, Gottes großer Garten sei nur geschrumpft. Eden kann überall sein. Auch zwischen frisch geharkten Kieswegen und sauber gestutzten Buchsbaumhecken. In einem paradiesischen Schrebergarten der Lüste. Was liegt näher, den Urfragen der Existenz dort nachzuspüren, wo alles begann und endet: in einem Garten. Genauer: in Weppelmanns Garten in der „Gartenanlage Langemarckstraße“.


Genau dort, inmitten der akribisch umfriedeten Natur, sitzt Dr. Andreas Mussenbrock, der erste Gast von Weppelmanns „Freier Gartenakademie“ und behauptet: „Jeder Garten ist Philosophie“. Dass er Recht hat, daran zweifelt niemand. Wenn Mussenbrock erst einmal ins Sinnieren gerät – über den Sündenfall im Garten Eden, den Zerfall absoluter Einheit in unauflösbare Zweiheit, über den Abfall des Menschen von Gott, kurz: über das Biblische schlechthin – macht er seine Umgebung zum Gegenstand seines Vortrages. Und das alles unter einem Baum, der dem Baum der Erkenntnis nicht unähnlich ist.

Vor ihm auf der Wiese, zwischen blubberndem Froschteich, Gartenlaube und Gemüsebeet scharen sich die Gäste wie einst die Jünger vom Gartenphilosophen Epikur. Aufmerksam lauschen sie seinen Ausführungen, deren geistreicher Fluss nur kurz durch einen vorbeiflatternden Fischreiher unterbrochen wird.

Geist und Gefühl vermählen sich. Selbst in der Enge dieser Kleingartenidylle weitet sich der Blick. Der Urgarten, der seine Kinder einst in die Geschichte entließ, gibt ihnen auf diesen wenigen Quadratmetern zumindest eine Idee vom Paradies zurück. Wenn auch nur für eine Stunde. Ein Therapeutikum gegen die postmoderne Vereinzelung ist das anschließende gemeinsame Plaudern sowieso. Jedenfalls darf nicht nur der Heilkräuter- Interessierte gespannt sein, was wohl passiert, wenn es bei Heinz Dalmühle bei der nächsten „Freien Gartenakademie“ am 21. Juni um „Essbare Landschaft“ geht. Also darum, wie man die Früchte dieses Paradieses wieder verspeist.

Solange es nicht die verbotenen sind . . .

 
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