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Dienstag, 18. Juli 2006

Schauen, schnuppern und lernen im Arzneipflanzengarten Münster

Von Burkhard Beintken

Münster · Auch wenn der Volksmund es gerne so singt, der Enzian muss nicht immer blau blühen – er kann auchgelb sein. Und als solcher ist  er eines der farbenfrohen Highlights im Arzneipflanzengarten Münster.

In direkter Nachbarschaft zum Schlossgarten bietet der etwa zwei Hektar große Garten des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie die Gelegenheit, schauend und schnuppernd Heilpflanzen zu entdecken. Und das nicht nur für angehende Apotheker und Lebensmittelchemiker: Der Institutsgarten steht jedem Interessenten offen.


Hier erfahren Studenten und Besucher, dass der Gelbe Enzian wissenschaftlich Gentiana lutea heißt und als bitteres Magenmittel angewendet wird, dass Spargel bereits im alten Griechenland als entwässerndes Mittel bekannt gewesen ist oder dass man Pfefferminze weltweit als Mentha piperita bestellen kann.

Welche Mittelchen Mutter Natur noch bereit hält, ist im Schaugarten zu sehen: Er ist in Form des menschlichen Körpers angelegt, die einzelnen Organe wurden in Beetform nachgebildet. Die zur Behandlung typischer Beschwerden eingesetzten Heilpflanzen wachsen an der entsprechenden Stelle. Im Lungen-Beet etwa sprießt Salbei gegen Husten.

Im Arzneipflanzen-System, dem Lehrgarten für die Pharmazie- Studenten, sind die Pflanzen nach Familien geordnet. Hier stehen etwa Korbblütler wie Kamille, Ringelblume, Arnika und Artischocke zusammen. Die Lektionen der ersten Semester können oft beim Spaziergang im idyllischen Institutsgarten gelernt und wiederholt werden. Auch von den Lebensmittel- Chemikern: Für sie wachsen wenige Meter weiter Bohnen, Erbsen und Salat.

Lauschige Plätzchen zum Verweilen bieten Bänke im Bereich der „Arzneipflanzen des Jahres“. Exotische Schönheiten stehen in den Gewächshäusern – für tropische Heilkräuter ist das westfälische Klima einfach nicht geeignet. Die Kultivierung der Wärme liebenden Pflanzen aus fernen Ländern stellt die Gärtner vor besondere Herausforderungen.

Wie auch der Gelbe Enzian. „Der ist etwas zickig“, sagt Gärtnermeister Lars Krüger schmunzelnd: Das Saatgut verliert schnell die Keimkraft, die Jungpflanzen sind sehr anfällig. Steht der Enzian dann endlich, will er aber auch bleiben, wo er ist: Nach drei Jahren gilt er als nicht mehr verpflanzbar.

Geöffnet ist der Arzneipflanzengarten des Instituts montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr sowie freitags von 9 bis 14 Uhr. Öffentliche Führungen werden bis September immer am letzten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr angeboten. Individuelle Führungen sind aber nach Terminabsprache auch möglich. Der Haupteingang zum Garten ist an der Hittorfstraße 56 rechts neben dem Instituts-Gebäude.

 
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