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2017 ist es fertig
Freitag, 15. Juni 2007

Jeremy Deller bringt mit Kleingärtnern Gesamtkunstwerk auf den Weg

Von Gerhard H. Kock Münster. Man muss es ja nicht gleich Kunst nennen. Wenngleich: 2017 kann daraus ein umfangreiches Kultur- und Sittengemälde entstanden sein. Die Leinwand ist gespannt. 54 Bücher umfasst sie, und die Maler sind Gärtner. Ihr Werkstatt-Leiter heißt Jeremy Deller. Der britische Künstler hat das zeitaufwendigste Werk der "Skulptur- Projekte 2007" auf den Weg gebracht - ein überaus riskantes Unternehmen. Münsters Kleingartenvereine haben von Deller dicke grüne Tagebücher und die Samen des Taschentuch-Baumes an die Hand bekommen. Zehn Jahre lang sollen sie alle kulturellen, sozialen, biologischen Ereignisse aus ihrer Kleingarten-Kultur festhalten.

Der "deutsche Kleingarten" ist zwar noch kein Weltkulturerbe, aber dem Künstler von der Insel sind bereits beim Blick auf ein Luftbild von Münster die einzigartigen "Schrebergarten"-Strukturen an der Peripherie der Stadt aufgefallen: kleine, grüne, vielfältig gemusterte Parzellen. Ein großes Werk braucht viele Helfer und einen langen Atmen. Wird es sie geben, und werden sie durchhalten? Jeremy Deller preschte mutig vor und kündigte an, er werde zu jeder Jahresversammlung des Kleingartenverbandes nach Münster kommen. Nun ist es an den 5700 Kleingärtnern, das Werk zu beginnen. Das Projekt kann wie eine Metapher auf die Kunst gelesen werden.

Fragt man einen Gärtner, was das Wichtigste ist, um erfolgreich einen Taschentuchbaum zum Blühen zu bringen, antwortet der: "Geduld". Denn zwei Jahre muss das Töpfchen mit dem Samen feucht gehalten werden. Dann erst regt sich der erste Keim, von Früchten ganz zu schweigen. Große Sorgfalt, nachhaltige Pflege und ein fester Glauben, dass das Werk gelingen wird - hier werden Künstler den Kleingärtnern gleich. Und dazu tönt es schön aus Schillers Glocke: "Zum Werke, das wir ernst bereiten, / Geziemt sich wohl ein ernstes Wort; / Wenn gute Reden sie begleiten, / Dann fließt die Arbeit munter fort. / So lasst uns jetzt mit Fleiß betrachten, / Was durch die schwache Kraft entspringt, / Den schlechten Mann muss man verachten, / Der nie bedacht, was er vollbringt. / Das ist’s ja, was den Menschen zieret, / Und dazu ward ihm der Verstand, / Dass er im innern Herzen spüret, / Was er erschafft mit seiner Hand."

 
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