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Immer der Nase nach
Samstag, 9. Juni 2007

Pawel Althamers Pättken führt aus der Kultur in die Natur

Von Gerhard H. Kock Münster. Die Freiheit nehm’ ich mir, muss sich der Pole gedacht haben, und ging einfach querfeldein. "Querfeldein" - das Wort allein lässt Naturschützer, Landwirte, Jäger und wahre Naturfreunde leidvolle Stoßseufzer gen Himmel schicken. Sie alle sind an der Natur interessiert und schützen sie, jeder auf seine Weise. Es gibt Wege, Zäune und Verbote. Und Anstand und Respekt gibt es vielleicht auch noch irgendwo. Einfach Quer-Feld-ein durch wilde Wiesen, quer über die Straße und mitten durch Getreidefelder - das tut man nicht. Althamer hat’s getan, und alle sollen es ihm nachtun.

Pawel Althamer kommt aus Polen. Polen ist nicht derart dicht besiedelt wie Deutschland. Und so wunderte es den Künstler, dass hierzulande so vieles geregelt, reguliert und gelenkt wird. Selbst in der Freizeitzone Aasee versuchen Schilder, Radfahrer und Fußgänger voneinander zu trennen. Aus diesem dichten Freizeit- Verkehrswege-Netz bricht der Warschauer aus.

Sein Ein-Personen-Patt beginnt unscheinbar an freier Wiese. Er führt dann über eine leichte Anhöhe zwischen Mühlenhof und Naturkunde- Museum durch die jüngst eingesäte "Wild-Wiese" immer der Nase nach über Fußwege, Radwege, die Sentruper Straße mitten durch ein Gerstenfeld hindurch hinunter ins Gievenbeck-Tal über eine zusammengeschusterte Restholz- Brücke hinauf in ein Feld mit Getreide, das entweder aus Weizen, Roggen oder deren künstlicher Kreuzung "Triticale" besteht. Noch steckt die Nahrungsmittel- Produktion auf dem Acker in der Entwicklung - der weite Blick übers freie Feld erlaubt romantisches Gefühlsduseln.

Indes, der Mensch ist überall. Und angesichts der Besuchermassen dürfte aus dem Patt bald eine Trasse werden. Die Frage wird nur sein: Wie breit wird die Schneise? Und noch ein paar zivilisationskritische Frage: Was fängt der Mensch mit einem solchen Angebot an? Weiß er diese Freiheit zu achten und zu schätzen? Oder verschandelt er wie auf den Aaseewiesen Natur in eine Mülldeponie. Die Erfahrung lehrt hier Fürchterliches. Aber wer weiß. Der Künstler, der nicht nur Bildhauer, sondern mit seinen Aktionen einer Art "sozialem Realismus" zugerechnet wird, appelliert auch an die Kindertage. Rund 1000 Meter Erinnerungen an Bilderbücher-Bilder können am inneren Auge des Betrachters vorbeiziehen.

Vielleicht schützt die erinnerte Idylle ein wenig gegen das zivilisatorische Korsett im vernetzten und durchgeregelten Alltag, wo der Mensch meist in den alten Trott zurückfällt. Wie viel Regel braucht der Mensch? Wie viel Chaos oder Ordnung, wie viel Verordnung oder Selbstregulation? Das fragt der Künstler kritisch.

Den Unkritischen sei das "Reiselied" des Joseph von Eichendorff ans Herz gelegt. Das passt immer: "So ruhig geh’ ich meinen Pfad, / So still ist mir zu Mut; / Es dünkt mir jeder Weg gerad’ / Und jedes Wetter gut. /Wohin mein Weg mich führen mag, / Der Himmel ist mein Dach, / Die Sonne kommt mit jedem Tag, / Die Sterne halten Wach’. / Und komm’ ich spät und komm’ ich früh / Ans Ziel, das mir gestellt: / Verlieren kann ich mich doch nie, / O Gott, aus Deiner Welt!"

 
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