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Erste Nacht ohne Nuckler
Sonntag, 3. Juni 2007

Jeden ersten Mittwoch im Monat können sich Kinder von ihrem Schnuller trennen

Von Malte Jost Im Leben der meisten kleinen Kinder kommt einmal der Moment, wo sie ganz tapfer sein müssen: Der beste Freund, der Schnuller, soll weg. Ein schwerer Schritt zum Erwachsenwerden. Die Stadt hat sich etwas einfallen lassen, um den Abschied zu erleichtern. Um diesem Ereignis die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, und um Eltern eine nervenaufreibende Zeit zu ersparen, gibt es den Schnullerbaum auf dem Spielplatz am Coerdeplatz. Den Anstoß dazu gab eine Bürgerin, die einen solchen Schnullerbaum in ihrem Urlaub in Kopenhagen gesehen hat.

Wieder zu Hause, verbreitete sie diese Idee und kurz darauf gab es ihn - den ersten Schnullerbaum Deutschlands. "Seitdem bekommen wir ständig Anfragen von Städten aus ganz Deutschland, die den Baum abkupfern wollen", erklärt Wolfram Goldbeck vom Amt für Grünflächen und Umweltschutz. Er ist immer zugegen, wenn das "Anschullern" ansteht. Das ist der erste Termin im Jahr für Kinder, die ihren Nuckler am Baum aufhängen. Die Saison läuft von Mai bis Oktober. Und an jedem ersten Mittwoch im Monat besteht aufs Neue die Möglichkeit für alle mutigen Kinder, ein Stück erwachsener zu werden. Seit dem vergangenen Jahr gibt es die Unterstützung durch einen Hubsteiger. Wie eine Hebebühne manövriert er die kleinen Jungen und Mädchen zusammen mit ihren Müttern in die bis zu 15 Meter hohe Baumkrone.

Hintergrund für diesen großen technischen Aufwand: Mehrere Kinder beklagten im vergangenen Jahr enttäuscht, dass ihre tief am Baum befestigten Schnuller abgerissen worden waren. Die kleine Olivia Schulz war dieses Jahr die erste, die die neue Schnullerbaum-Saison einläuten durfte. Interessiert schaut sie Dieter Lenz vom Amt für Grünflächen und Umweltschutz zu, wie er ihren Lieblings-Schnuller mit einem blauen Band am Ast befestigt - traurig scheint sie nicht zu sein. Auch bei der späteren Frage, ob sie ihren Schnuller vermisse, bleibt sie gelassen: "Er ist jetzt weg, und ich brauch’ ihn nicht mehr, weil ich doch schon groß bin!" Es scheint, als ob Olivias Mutter schon gute Vorarbeit geleistet hat. Auch bei den übrigen Kindern, die meistens ihre Mamas mitgebracht haben, hält sich die Trauer in Grenzen. Wenige Augenblicke nach der Schnullerabgabe ist das Flugzeug auf dem Spielplatz viel interessanter. Doch Goldbeck weiß aus Erfahrung: "Die erste Nacht ohne Schnuller ist die schlimmste." Kein Wunder also, dass, wenn Kinder rückfällig werden, deren Eltern oft entnervt einen neuen Schnuller kaufen.

 
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